Von All-Inclusive zu All-You-Need

Wer ein Betriebssystem von Microsoft, Apple oder Google nutzt, stellt sich höchstwahrscheinlich selten die Frage, ob die Software angesichts der Vielzahl potenzieller Möglichkeiten wirklich die persönlichen Bedürfnisse des Users in den Blick nimmt. Je mehr der Computer oder das Smartphone kann, desto besser!

Wieviele Menschen beschäftigen sich wohl mit der Frage: Was soll mein Endgerät für mich tun und was darf es auf keinen Fall machen? Und: Wie komme ich an Software, die ich auf meine Bedürfnisse einstellen kann?

Für alle, die mehr Kontrolle über das ausüben wollen, was Software heute mit unserem Leben macht, gibt es die Möglichkeit ein Betriebssystem und die benötigten Applikationen selber aus den Quelltexten zu bauen und so die erforderlichen Einstellungen zu Privatsphäre, Sicherheit oder Leistungsumfang der Anwendungen eigenhändig vorzunehmen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Quelltexte frei verfügbar sind (Open Source) und für die freie Verwendung lizensiert wurden (GPL o.ä.).

Die beiden folgenden Linux-Distributionen ermöglichen auf unterschiedliche Weise den Bau von freier Software aus den Quellen (source-based):

1. Linux From Scratch

Unter http://www.linuxfromscratch.org erhalten wir eine detaillierte Anleitung zum Bau eines Betriebssystems von Grund auf (from scratch); das sogenannte LFS-Book. Online gelesen oder als Download erfahren wir hier Schritt für Schritt welche Voraussetzungen wir erfüllen müssen und wie das System gebaut wird. Nach Fertigstellung des Grundsystems stehen uns zahlreiche Anleitungen für den Bau der gewünschten Applikationen unter http://linuxfromscratch.org/blfs zur Verfügung.

Die Konfiguration der Anwendungen erfolgt manuell, die bereitgestellten Optionen lassen sich gewöhnlich über die Kommandozeile mit dem Befehl ./configure –help auflisten.

2. Crux

Etwas einfacher gelingt der Bau des Betriebssytems mit dieser Linux-Distribution: Crux. Hier laden wir eine ISO-Datei herunter, die wir zum Start unseres Rechners auf eine CD oder einen USB-Stick kopieren. Nach dem erfolgreichen Start des Systems vom Installationsmedium befinden wir uns bereits in einer Linux-Umgebung, in der wir das Grundsystem auf unserem Computer installieren können. Die ausführliche Anleitung dafür finden wir im Handbook auf der Startseite von https://crux.nu.

Die Installation (kompilieren) der Anwendungen erfolgt über den mitgelieferten Paketmanager, die Konfiguration der Software wird durch Editieren der Paketdateien (Pkgfile) in den jeweiligen Verzeichnissen (Ports) vorgenommen.

Hinweis:

Auf der Seite http://distrowatch.com lassen sich noch weitere quelltext-basierte Linux-Distributionen finden, die mehr oder weniger komfortable Kontrollfunktionen bieten. Allen gemeinsam ist, dass keine Berührungsängste den Umgang mit der Linux-Konsole betreffend vorhanden sein dürfen.

Wer sich einmal in die Materie eingearbeitet hat, wird mit einem stabilen, zügig laufenden und individuell angepassten Betriebssystem belohnt, das macht, was es soll und nicht, was es will.