Divide et impera

Der Ursprung der lateinischen Empfehlung für Imperatoren und solche, die es werden wollen, ist unbekannt, aber angewandt wird sie bereits seit den Tagen des römischen Reiches. Divide et impera! – zu deutsch: Teile und herrsche! – ist das erprobte Motto für Regierende, die fest im politischen Sattel sitzen und nicht aus selbigem gestürzt werden möchten. Von Julius Cäsar bis Donald Trump erfreut sich diese Maxime ungetrübter Beliebtheit unter Machthabern.

Teile und herrsche – wer hierbei in erster Linie an das Teilen von medialen Inhalten auf Social-Media-Plattformen denkt, liegt ironischerweise nicht völlig falsch. Obwohl in der ursprünglichen Bedeutung des Satzes eher das Teilen im Sinne von entzweien gemeint ist, erfüllt unser Umgang mit sozialen Medien, dem Internet und elektronischer Kommunikation offensichtlich denselben Zweck.

Das lateinische Divide kann durchaus folgendermaßen übersetzt werden: Schaffe Beziehungsstörungen zwischen den Menschen, die Du beherrschen möchtest, damit sie sich nicht gegen Dich verbünden und/oder nicht merken, wie oder dass Du sie manipulierst! In einer handfesten Autokratie war und ist diese Regel gängige Praxis, um einen Widerstand gegen die herrschende Elite im Keim zu ersticken.

In unserer heutigen, aufgeklärten und technisch durchgestylten Welt mutet die Vorstellung an eine Renaissance einer Diktatur à la Stalin oder Hitler, die sich mit den oben beschriebenen Mitteln über Wasser hält, unwahrscheinlich an, weil wir annehmen, dass die Menschen mit ihrer Vernetzung und dem unbegrenzten Zugriff auf Informationen durch das World Wide Web solchen Tyrannen nicht mehr auf den Leim gehen.

Messen wir dem gegenüber den aktuellen Zustand unserer Welt an den bereits vorhandenen menschlichen Beziehungsstörungen, dem zunehmenden Vertrauensverlust in Informationen, die wir aus dem Netz beziehen und den immer subtileren Manipulationen, denen wir durch alle möglichen Medien ausgesetzt sind, dann könnte uns allerdings der Verdacht beschleichen, es versuchte uns irgend jemand zu entzweien, um uns ungestört beherrschen zu können. Ein exakt zum Thema Beziehungsstörungen passendes Bild aus unserem Alltag ist beispielsweise folgendes: Eine Gruppe Menschen sitzt um einen Tisch; alle schauen auf ihr Smartphone.

The people will not revolt. They will not look up from their screens long enough to notice what’s happening.

Aus einem Bühnenstück nach dem 1949 erschienenen Roman ‚1984‘ von George Orwell