Wer ist Joseph Druce?

Der Titel verrät nicht viel über den Inhalt und die Altersfreigabe vermittelt eher den Eindruck, es handele sich um ein familienfreundliches Feel-Good-Movie. Und doch ist das 2015 erschienene Filmdrama „Spotlight“ von US-Regisseur Tom McCarthy alles andere als leichte Kost für den fortgeschrittenen Feierabend.

Der etwas über zwei Stunden lange Filme behandelt die mühselige Recherchearbeit eines vierköpfigen Journalistenteams zum Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern durch Geistliche der römisch-katholischen Kirche“ in der Erzdiözese Boston/MA. Der im Jahr 2001 bekannt gewordene Fall des pädophilen Priesters John Geoghan gibt den Ausschlag für weitreichende Ermittlungen und fördert eine erschreckende Wahrheit zu Tage: Der weltweite sexuelle Missbrauch von Kindern durch Priester und deren Deckung durch ihre Vorgesetzten.

Neben den vielfachen Auszeichnungen als bester Film findet ‚Spotlight‘ bei Kritikern und dem Publikum zu fast 100% positive Resonanz. Der nach wahren Begebenheiten gedrehte Film verzichtet auf technische Schnörkel und aufgeblähte Emotionen, aber nicht auf einen sauberen Spannungsbogen und überzeugt mit einer ehrlichen Portion Sachlichkeit und menschlicher Empathie für die Leidtragenden dieser globalen Katastrophe.

Vielleicht ermöglicht eben gerade die „kinderfreundliche“ Produktion (FSK 0) dieses Films über ein derart heikles Thema der jüngeren Generation den Einstieg in diese Diskussion mit dem Beitrag eigener Erfahrungen in Sachen Missbrauch.

Dem Spotlight-Team des Boston Globe hat diese journalistische Enthüllung einen Pulitzer-Preis eingebracht, für den Priester John Geoghan brachte sie im Jahr 2002 eine Verurteilung zu zehn Jahren Haft.

Und Joseph Druce? Am 23. August 2003 erdrosselte er – selbst Opfer sexuellen Missbrauchs – den inhaftierten John Geoghan in dessen Zelle.