Wahrheit vs. Wirklichkeit

Fällt es Menschen traditionell schwer mit Wahrheit adäquat umzugehen, so scheint es noch bedeutend schwieriger zu sein, den Unterschied zwischen wahr und wirklich zu erkennen.

Publikationen wie Guy Claxton’s „Die Macht der Selbsttäuschung“ oder Paul Watzlawick’s „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ belegen demonstrativ, wie ungesichert unsere – aus der persönlichen Perspektive gewonnenen – Erkenntnisse über die Wirklichkeit sind.

Wahrheit ist, was von uns subjektiv wahrgenommen wird. Wirklichkeit ist alles, was eine tatsächliche Wirkung entfaltet, unabhängig von Perspektive und Interpretation. Deshalb besteht die Möglichkeit einer unwahren Wahrheit, aber nicht die einer unwirklichen Wirklichkeit: Fakten bleiben auch dann Fakten, wenn wir sie ignorieren.

In dem 1957 veröffentlichten Spielfilmdebüt des US-amerikanischen Filmregiseurs Sidney Lumet „Die 12 Geschworenen“ (Originaltitel: 12 Angry Men) nach dem gleichnamigen Fernsehspiel von Reginald Rose wird der Frage, was wahr und was wirklich ist, anhand der Gerichtsverhandlung eines Mordprozesses sehr anschaulich nachgegangen.