Echte Mobilität

Anläßlich der zurzeit vielerorts auf Fuß- und Radwegen abgestellten E-Scooter scheint es angebracht zu sein, noch einmal grundsätzlich über Mobilität in unserer (Stadt-)Kultur nachzudenken. Während die altvorderen Generationen die Anschaffung eines eigenen Automobils als höchsten Ausdruck ihres Erwachsenseins empfinden, switchen die Millenium-Kids vom E-Scooter-Rental über den ÖPNV zum Car-Sharing, um sich im urbanen Lebensraum fort zu bewegen. Anbieter von Mobility-Apps werben mit hoher Flexibilität und minimalem Öko-Footprint für die Nutzung ihrer Services.

E-Scooter in stabiler Seitenlage

Im ursprünglichen Sinn bedeutet Mobilität Beweglichkeit, auf den Menschen bezogen also die Aktivität der Extremitäten zu dem Zweck, den eigenen Körper von einem Ort zu einem anderen zu befördern. In unserer Kultur nutzen wir dazu bevorzugt diverse Fortbewegungsmittel, die es uns erlauben, unter möglichst geringem Einsatz unserer Gliedmaßen einen Ortswechsel zu vollziehen.

Nehmen wir den Wirkungsgrad der Körperbewegungen als Maßstab für unsere Fortbewegung, blieben nur das Fahrradfahren (ohne motorisierten Antrieb) und das klassische Zu-Fuß-Gehen als echte Mobilität im Rennen. Dagegen verharren Menschen in und auf den meisten Fahrzeugen weitestgehend unbeweglich.

Nun könnten wir entgegnen, dass Mobilität sowohl aktiv, als auch passiv stattfinden kann, weil sich beispielsweise die Passagiere eines Flugzeugs ebenfalls von einem Ort zum anderen bewegen.

Nach dieser Definition wäre so ziemlich jeder Mensch unentwegt mobil, auch während des nächtlichen Aufenthalts im Bett, da sich das Möbelstück permanent auf der rotierenden Erde befindet, die sich ihrerseits auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegt, welche mitsamt der ganzen Galaxie in einem sich rasant ausdehnenden Universum einem noch unbekannten Ziel entgegenstrebt.