Ride free

Gas, grass or ass – nobody rides for free, diese Botschaft eines unbekannten Autofahrers (gesehen auf einem Sticker an der Heckklappe eines Pickups) an seine potenziellen Mitfahrer*innen scheint im Süden Hamburgs keine Geltung zu haben. Unweit des Sterne-Hotels Lindner an der Heimfelder Straße in Hamburg-Harburg besteht seit mindestens 20 Jahren ein MTB-Freeride auf dem ehemaligen Übungsgelände einer Kaserne. Mit wechselndem Engagement entstanden hier über die Zeit unterschiedliche Trails und Jumps, die in den letzten Jahren regelmäßig von jungen und gereifteren Bikern gepflegt und erweitert werden.

Blick auf einen Teil der DIY-Anlage

Wer sich an einem Wochenende zu einem Spaziergang in den nahe gelegenen Wald aufmacht und das ehemalige Militärgelände durchquert, wird angenehm überrascht sein, wenn fast lautlos Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene mit ihren Bikes über die selbst angelegten, von fern kaum wahrnehmbaren Pisten brettern. Mit ruhiger Konzentration und voller Hingabe drehen die Kids Runde um Runde auf den hügeligen Parcours und trainieren ihre Skills unter den interessierten Blicken von Eltern und Freunden.

Dem Zuschauer bietet sich auf diese Weise ein Bild, das den allgemeinen Klischees vom medial verwahrlosten Jugendlichen keinesfalls entspricht. In dieser Do-It-Yourself-Landschaft im Bauspielplatzdesign scheinen die jungen Biker das zu finden, was ihnen die virtuelle Welt nicht bieten kann – Leben durch echtes Erlebnis.

Es bleibt zu hoffen, dass der Freeride in Heimfeld noch für viele Generationen existiert und rege genutzt wird, auch wenn im September 2020 dort ein älterer Biker zu Tode gekommen ist und die MTB-Community natürlich sofort ihre Befürchtung äußerte, dass die Behörde jetzt die Anlage als illegal bezeichnet und schließt.