Exotisch im Abgang

Nun sind sie weg – unsere Äpfel. Bis Weihnachten hat der Vorrat gereicht, aber um bis zur nächsten Apfelernte zu kommen, hätten wir mehr pflücken müssen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: die letzten Äpfel waren besonders lecker.

Da uns ein klassischer Vorratskeller (kühl, aber frostfrei, trocken, aber mit leicht feuchter Luft) fehlt, haben wir die gesamte Ernte in Kisten auf unserem Balkon (Loggia) gelagert, wo sie nicht so schnell austrocknen konnte und gut belüftet war. Das hatte zur Folge, dass die Äpfel sich langsam von knackig-süß-sauer zu mürbe-mild-fruchtig entwickelt haben. Und zu unserer Überraschung haben sich im Laufe der Zeit noch andere Aromen in die Früchte geschlichen – man könnte fast sagen: exotische.

Bei einigermaßen korrekter Lagerung scheinen sich Äpfel – wie Wein – geschmacklich weiter zu entwickeln und bilden je nach Sorte ganz unterschiedliche Aromen aus. Da wir jetzt wieder auf Obst aus dem Bio-Handel angewiesen sind, merken wir den Unterschied recht deutlich: modern gelagerte Äpfel entwickeln sich nicht und behalten ihren gemeingefälligen Geschmack mehr oder weniger bis zum Schluß.

Unser Plan für’s neue Erntejahr steht jetzt schon fest. Wir werden mehr Äpfel ernten müssen, um länger die oben genannten Vorzüge genießen zu können. Dazu bedarf es allerdings eines ausreichend feuchten Sommers und einer ausreichend hohen Zahl an öffentlich zugänglichen Streuobstwiesen. Die sind in Hamburg nicht so üppig vertreten, deshalb suchen wir jetzt schon nach geeigneten Beuteobjekten.

Eine grobe Übersicht der allgemein verfügbaren Erntemöglichkeiten bietet die Web-Plattform www.mundraub.org.