Querdenken

In den aktuellen Diskussionen um mögliche Wege aus den globalen Sackgassen der Menschheit erfährt ein langjährig genutzter Begriff eine Umdeutung, die hinzunehmen gleichbedeutend mit einer Ohrfeige für alle frei denkenden Menschen ist: Die Bezeichnung rechtspopulistischer Meinungsmacher als Querdenker.

Nach Knaurs ‚Das deutsche Wörterbuch‘ wird quer unter anderem mit argwöhnisch übersetzt. Querdenken hieße demzufolge kritisch denken, bestehendes skeptisch betrachten. Einen anderen Ansatz verfolgt der britische Kognitionswissenschaftler Edward de Bono, der mit seiner Methode des ‚lateralen Denkens‘ – auch als ‚querdenken‘ oder ‚um die Ecke denken‘ bezeichnet – eine Kreativtechnik beschreibt, die bei der Suche nach Problemlösungen Anwendung findet.

Dass Querdenken in keiner Weise mit konservativem Denken von rechts in Verbindung zu bringen ist, bringt de Bono wie folgt auf den Punkt:

Man gräbt kein zweites Loch, wenn man ein bereits vorhandenes vertieft. Das laterale Denken wird angewendet, um woanders ein Loch zu graben.

Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Menschen, denen seit Generationen nichts anderes einfällt, als permanent dasselbe Loch zu vertiefen, sich mit wirklichen Querdenkern wie Albert Einstein, Henry David Thoreau oder Mahatma Gandhi auf eine Stufe stellen dürfen. Das Prädikat Querdenker gehört den Ewiggestrigen aus der Hand genommen und denjenigen zugeteilt, die es seit jeher verdienen.